
«Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen;
darum scheint es eine Torheit,
sie wieder durch Worte vermitteln zu wollen.» Goethe
Was heute in der Kunst überhand nimmt, ist eben diese
Torheit. Noch viel mehr: ohne Worte, ohne
eine eingehende Interpretation und fundiertem
Hintergrundwissen ist es den meisten Normalsterblichen
nahezu unmöglich geworden, der heutigen Kunst
nahezukommen, geschweige denn, sie zu verstehen.
Sie tendiert zum einen zur Philosophie und zum andern
zur individuellen Selbstdarstellung des Künstlers.
Deshalb die Unsicherheit beim Betrachter. Meint er
doch, ohne einen Einführungskurs in die Kunst, ohne
eine tiefschürfende Interpretation, ohne Kenntnis von
Lebenswerk, Biographie und dem psychologischen
Hintergrund des Künstlers sei es unmöglich, sich
einem Werk zu nähern.
Ob Kunst nun etwas ist, wozu nur eine Elite Zugang
haben kann und soll, das sei dahingestellt. Die
Beurteilung, was schlussendlich wahre Kunst, was
reine Dekoration, was Spielerei und was schlicht und
einfach Schrott ist, sei jedem Einzelnen überlassen.
Ich denke, dass Kunst in jeder Form wichtig ist.
Wichtig für den Menschen. So war sie schon immer
ein Spiegel der Gesellschaft, in den zu schauen
schön und schrecklich sein kann - und heute
vielleicht zu denken gibt. So war sie immer ein Mittel
zur Erbauung und der Ermahnung.
Kunst hat mit Ästetik zu tun. Sie sollte jedermann
zugänglich sein. Sie muss nicht gefällig sein. Aber
sie muss vermitteln dürfen.
Kunst hat mit Kommunikation zu tun. Einer
Kommunikation, die der Worte nicht bedarf. Sie darf
nicht gezwungen werden, wieder auf jene
zurückzugreifen, um sich zu erklären.
Sie darf schockieren. Sie darf beunruhigen. Sie darf
aber auch Freude bereiten.
Und sie darf verstanden werden.